Exkursion Niederösterreich 16. März 2025

Zeitreise in die österreichische Mobilitätsgeschichte:

Ein knappes Dutzend Oldtimer-Liebhaber aus Oberösterreich hat sich auf den Weg nach Niederösterreich gemacht, um tief in die österreichische Mobilitätsgeschichte einzutauchen.

Bei der Firma CraftLab von Koloman Mayrhofer in Pitten ging es in den Luftraum über der k.u.k. Monarchie. Der Bildhauer und Künstler hat seine Obsession für die originalgetreue Fertigung von Flugzeugen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu einem international gefragten Unternehmen entwickelt. So fanden die Exkursionsteilnehmer vor Ort mehrere Flugzeuge in unterschiedlichen Fertigstellungsphasen. Die historischen Maschinen werden bei CraftLab nicht als Repliken, sondern als Serien-Fortführung nach Originalbauplänen gebaut. Will heißen: es werden die gleichen Materialien wie zur Entstehungszeit verwendet. Das geht so weit, dass sogar Lacke und Leime auf ihre chemische Zusammensetzung hin analysiert und nachproduziert werden. 7000 Arbeitsstunden fließen so durchschnittlich in die Herstellung eines rohen Chassis, in das dann originale Instrumente und Motoren aus der Zeit eingebaut werden. Diese – meist Einzelstücke von fast unschätzbarem Wert – werden vor einem Einbau penibel überholt. Besonders heikel bei den mehr als 100 Jahre alten Flugmotoren ist dabei die Konformität mit den Anforderungen der Luftfahrtbehörde. Dass bei der Produktion der filigranen Holz-Einzelteile ausschließlich handwerklich gearbeitet wird, ist selbstverständlich.
Dieses Spezialwissen ist nicht geheim geblieben und Besitzer von Vorkriegs-Oldtimern mit hölzernen Rahmen nehmen es auch gern in Anspruch. So finden sich in der hellen Werkstatthalle auch ausgesuchte Stücke auf vier Rädern. Aktuell neben einem Steyr 200, zwei Voisin, ein Delage, ein Lagonda, ein österreichischer Avis und mehrere Austro Daimler Chassis und Motoren.

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Und damit sind wir beim zweiten Höhepunkt der Exkursion. Derzeit ist die Traditionsmarke Gräf&Stift Thema der hochkarätigen Sonderausstellung im Fahrzeugmuseum der Familie Fehr in Wiener Neustadt. Das Kuratorenpaar Lisl und Heinz Mesicek haben die Gruppe aus Oberösterreich höchst kompetent durch die Ausstellung geführt und eine Vielfalt von spannenden Fakten beginnend mit dem Gräf&Stift Kaiserwagen bis hin zur Staatskarossen-Sonderanfertigung für Bundeskanzler Schuschnigg aus dem Jahr 1938 erzählt und damit tiefe Einblicke in die Geschichte des Unternehmens und in ein Kapitel österreichischer Mobilitätsgeschichte ermöglicht.

Dank für die Initiative zur Exkursion gebührt OÖMVC-Mitglied Franz Hofer und Gerhold Zautner, dem Präsidenten des Leondinger Oldtimerclubs. Die Exkursionsteilnehmer haben in jedem Fall nicht nur Gustostückerl klassischen Automobildesigns der ersten Stunde hautnah erleben können, sondern auch viel über die Geschichte der überaus vielfältigen Automobilproduktion der Donaumonarchie und der Ersten Republik erfahren.

Fotos und Text: Christian Schrenk/Bildrecht Wien